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Wie man in Graz (Österreich) ein fahrradfreundlicher Arbeitgeber wird

Von Margit Braun / Aktualisiert: 26 May 2015

Die österreichische Stadt Graz organisierte 2014 einen Wettbewerb zum Thema Mobilitätsmanagement für Unternehmen. Die teilnehmenden Unternehmen konnten wählen, ob sie ihren Fokus auf den öffentlichen Nahverkehr, den Bereich Parkraummanagement oder auf Radverkehrsmaßnahmen richten oder gar ein Gesamtkonzept vorlegen wollten. Die Haberkorn GmbH, ein technischer Händler für Industrie, Bau und Handwerk, sicherte sich den zweiten Preis. Durch die Umsetzung mehrerer Mobilitätmanagement-Maßnahmen mit besonderem Schwerpunkt auf das Radfahren gelang dem Unternehmen der Schritt zu einem fahrradfreundlichen Arbeitgeber.

Context 

In der Stadt Graz wird der nachhaltigen Mobilität, auch „Sanfte Mobilität“ genannt, schon seit vielen Jahren hohe Priorität eingeräumt. Vor kurzem wurde die Sensibilisierung für das Zufußgehen und Radfahren, die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel und das Mobilitätsmanagement als Daueraufgabe für die Stadt definiert. Der Grazer Stadtrat setzte sich 2012 zum Ziel, den Anteil des Automobilverkehrs bis 2021 von derzeit 45 Prozent auf 37 Prozent zu senken.

Dies soll durch Infrastrukturmaßnahmen und eine „sanfte Politik“ erreicht werden: Im Rahmen der Kampagne „Graz steigt um“ wurde ein umfassendes Maßnahmenpaket entwickelt, um nachhaltige Mobilität in der ganzen Bevölkerung zu thematisieren und die Benutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel zu fördern. Das Maßnahmenpaket besteht unter anderem aus Mobilitätsvereinbarungen mit großen öffentlichen Verkehrsbetrieben, Mobilitätsmanagement-Maßnahmen sowie Marketing- und Informationsaktivitäten.

In action 

Im Jahr 2012 führte Graz ein besonderes Modell ein, bei dem kleine und mittlere Unternehmen bei der Umsetzung verschiedener Mobilitätsmanagement-Maßnahmen finanziell unterstützt werden. In diesem Zusammenhang wird ein Wettbewerb unter dem Motto „Mobilitätsmanagement für Unternehmen“ organisiert, in dessen Rahmen für die fünf besten Vorschläge Preisgelder als Zuschuss zur Durchführung der vorgeschlagenen Mobilitätsmanagement-Aktivitäten vergeben werden.

Die am Wettbewerb teilnehmenden Unternehmen müssen drei Stufen durchlaufen. Auf der ersten Stufe können Unternehmen um eine Konsultation als Einführung in das Thema Mobilitätsmanagement-Aktivitäten für den öffentlichen Nahverkehr, Radfahren und Parkraummanagement ersuchen. Speziell entwickelte Leitfäden und Fallstudien liefern die Grundlage für fundierte Beratung. Als Ergebnis wird ein Überblick über die Maßnahmen verschafft, deren Umsetzung für jedes Unternehmen in Betracht kommt.

Die zweite Stufe sieht die Einreichung eines Vorschlags mittels eines Antragsformulars vor. Unternehmen können entweder einen umfassenden Vorschlag zu allen Bereichen (öffentlicher Verkehr, Radfahren, Parkraummanagement) oder einen Vorschlag, der sich auf einen einzelnen Sektor konzentriert, einreichen. Der Vorschlag muss auch Informations- und Motivationsmaßnahmen enthalten. Die dritte Stufe besteht schließlich in der Auszeichnung der fünf besten Vorschläge. Unternehmen erhalten Preisgelder, um die von ihnen vorgeschlagenen Mobilitätsmanagement-Maßnahmen innerhalb eines Kalenderjahres umzusetzen. Der erste Preis ist mit 10 000 € dotiert. 2014 wurden 860 Unternehmen zur Teilnahme an diesem Wettbewerb eingeladen. Davon ersuchten 23 um eine Konsultation und 16 unterbreiteten einen Vorschlag für den Wettbewerb.

Die Haberkorn GmbH legte einen umfassenden Vorschlag mit besonderem Schwerpunkt auf das Thema Radfahren vor und erreichte Rang zwei. Als Preisgeld erhielt die Haberkorn GmbH 7 000 €. Das Unternehmen hat 16 Niederlassungen in Österreich, Osteuropa und der Schweiz mit insgesamt 1 100 Mitarbeitern. In Graz ist das Unternehmen mit 30 Mitarbeitern am Stadtrand angesiedelt.

Results 

Der Ausgangspunkt für die Einführung von Mobilitätsmanagement-Maßnahmen bei der Haberkorn GmbH war die Feststellung, dass ein besonders hoher Anteil der Mitarbeiter für den Weg zur Arbeit das Auto benutzte. Das Unternehmen traf daraufhin 12 Maßnahmen, um die Bedingungen für Radfahrer zu verbessern. Folgende Infrastrukturmaßnahmen wurden ergriffen: Einrichtung von Fahrradständern, einer Rad-Service-Box und von Umkleideräumen, Bereitstellung von Schließfächern und Dienstfahrrädern sowie Motivations- und Sensibilisierungsmaßnahmen (unter anderem ein Testtag für Spezialräder wie zum Beispiel Lastenfahrräder, Auszeichnung des „Radfahrers des Monats“, Mobilitätsfrühstück für Radfahrer, Förderung der Teilnahme an Kampagnen „Mit dem Rad zur Arbeit“ usw.).

Von den Maßnahmen, die 2014 vorgeschlagen wurden, wurden die meisten erfolgreich umgesetzt. Die Haberkorn GmbH ist zuversichtlich, dass ihre Mitarbeiter ab kommendem Jahr für den Weg zur Arbeit weniger häufig das Auto benutzen werden. Das Preisgeld wird vom Unternehmen für die Durchführung verschiedener Maßnahmen verwendet. Darüber hinaus bewarb sich das Unternehmen um Zuschüsse für Fahrradinfrastrukturmaßnahmen auf lokaler und nationaler Ebene (Installation hochwertiger Fahrradständer und Erwerb von Diensträdern für die Mitarbeiter).

Um sicherzustellen, dass das Mobilitätsmanagement für die Beschäftigten zum langfristigen Hauptanliegen wird, führt die Haberkorn GmbH jede Woche oder mindestens einmal pro Monat einige Aktivitäten durch. Ein gutes Beispiel für regelmäßige Aktionen ist das „Mobilitätsfrühstück“, das Radfahrern von Mai bis September jeden Freitagmorgen angeboten wird. Um das Radfahren auch in allen anderen österreichischen Niederlassungen zu fördern, startete das Unternehmen einen Fahrradwettbewerb. In jeder Niederlassung wurde ermittelt, wie viele Mitarbeiter von Mai bis September mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhren, und die Niederlassung mit den meisten Rad fahrenden Mitarbeitern wurde mit einem Preis ausgezeichnet. 

Challenges, opportunities and transferability 

Ein wesentliches Element für die erfolgreiche Umsetzung mehrerer Mobilitätsmanagement-Maßnahmen bei der Haberkorn GmbH war die Einsetzung eines Betriebskoordinators. Von Anfang an war eine Person für die Förderung, Organisation und Durchführung der Maßnahmen verantwortlich. Die Betriebsleitung stellte den Verantwortlichen für die Vorbereitung der Aktivitäten frei und sagte dem Projekt ihre volle Unterstützung zu. Ein gut durchdachter Kommunikationsplan trug wesentlich dazu bei, dass alle Mitarbeiter von Beginn des Wettbewerbs an informiert, ermuntert und einbezogen wurden. Es wurden mehrere Kommunikationskanäle benutzt.

Neben E-Mails und Mundpropaganda wurde für mehrere Maßnahmen Aktionsmaterial wie Flyer und Poster erstellt. Für die Mobilitätsmaßnahmen des Unternehmens wurde zudem ein einheitliches Design und Branding entwickelt. All dies förderte die anhaltende Akzeptanz und Bereitschaft der Mitarbeiter, ihr Mobilitätsverhalten nachhaltig zu verändern. Das größte zu überwindende Hindernis ist die Randlage des Unternehmens, da kein Anschluss an das städtische Radwegenetz vorhanden ist und auch die öffentlichen Nahverkehrsmittel schwierig erreichbar sind. Daher ist es besonders begrüßenswert, dass die Haberkorn GmbH zahlreiche Mobilitätsmanagement-Maßnahmen erfolgreich umgesetzt hat.

Contact: 
Region: 
Western Europe
Country: 
Austria
City: 
Graz
Author: 
20 Feb 2015
26 May 2015
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